Chris Anderson schrieb das erste Mal von "Long Tail" in einem Artikel auf Wired vom Oktober 2004. Die Idee wurde danach in einem Blog und in einem Buch weiter ausgeführt. Mittlerweile ist der Begriff zum Liebligsthema vieler Blogger und E-commerce-Unternehmen geworden. Einige sind einfach von der Idee begeistert, andere eher skeptisch.
Exciting Commerce fragt sich schon, wie eine Long Tail Strategie umzusetzen ist: "Chris Anderson macht nicht mehr, als das Long Tail Phänomen zu beschreiben und es mit guten Zahlen zu untermauern. Die Aufgabe des Handels wird es in den nächsten Jahren sein, mit entsprechenden Strategien auf diese Entwicklung zu reagieren und den Umsatzverlagerungen zu begegnen."
Bei JustBooks sehen wir viele Beispiele vom Long Tail. Viele Nutzer suchen über unsere Suchmaschine nach vergriffenen, antiquarischen und besonderen Büchern. Mit dem BookFinder.com Report, einer Liste der am meisten gesuchten vergriffenen Bücher, haben wir seit 2003 die Long Tail in unserem Geschäft analysiert und angezeigt.
Das Long Tail ensteht aus sehr vielen Artikeln. Es gibt zum Beispiel sehr viele Bücher, die von den Verlagen
vergessen worden sind, die aber von den Lesern immer noch nachgefragt und über Online-Marktplätze gekauft werden. Wie viele dieser Bücher werden im Vergleich zu den Bestsellern tatsächlich verkauft? Eine der Fragen mit der sich die Forschung beschäftigt, ist daher die Größe, wie Chris Anderson erklärt. Theoretisch sollte das online entstehende Long Tail so groß wie die Nachfrage nach Bestsellern werden.
In einer Diskussion mit einer Neubuchhandlung über die Integration in unsere Suchmaschine, habe ich einen nicht überraschenden, aber dennoch sehr interessanten Kommentar bekommen. Es ging um die Anzahl der Artikel, die uns zur Suche zu Verfügung gestellt werden sollten. Als Long Tail Business möchten wir immer eine möglichst große Anzahl von Artikeln bekommen. Der Gesprächspartner meinte aber, dass bei Ihnen mit den 1000 Bestsellern ca. 95% Prozent des Umsatzes generiert werden und ein Produktkatalog von 40.000 Artikeln schätzungsweise 98% des Umsatzes ausmachen würden. Von wegen Long Tail!
das besondere am long tail ist aber doch, dass der anbieter keinerlei lagerkosten hat und darum jede infinitisimale einheit einen gewinn einbringt. also jeder verkauf, da es keine fixen kosten zur lagerhaltung gibt.
wie meinst du das mit der gegenüberstellung von 95 und 98%?
Kommentiert von: sebastians | 17. April 07 um 03:44 Uhr
Hallo Sebastian,
wenn wir Amazon, Amazon Marketplace, AbeBooks oder JustBooks selbts als Beispiel nehmen, dann sehen wir schon, dass Büchhändler immernoch Lagerkosten haben. Das Long Tail entsteht eher aus der von dem Internet ermöglichte Fähigkeit, der Nachfrage nach vielen verschiedenen Produkten entgegenzukommen. Das wird auch von gerigen Lagerkosten ermöglicht, aber entscheidend im diesem Fall ist die Aggregation vielen diversen Angeboten, die keine Bestseller sind und in einem traditionalen Markt schwer zu erreichen wären (da schwer zu verkaufen).
Mit der gegenüberstellung von 95 und 98% zitiere ich einfach, was eine große Online-Buchhandlung meinte. Mit den 1000 Bestsellern werden ca. 95% Prozent des Umsatzes generiert. Daher würde ein Produktkatalog von 40.000 Artikeln schätzungsweise 98% des Umsatzes ausmachen.
Kommentiert von: Giovanni | 17. April 07 um 04:12 Uhr
hi giovanni,
deiner definition stimme ich zu. deswegen passt meiner meinung nach der begriff hier auch nicht. chris beschreibt im long tail deutlich, dass z.b. lulu (disclosure, lulu ist edelman kunde, wird aber explizit von chris erwähnt, nur daher von mir hier als passendes beispiel)den long tail kapitalisieren oder den gewinn sogar an seine kunden weitergeben kann, da keinerlei extra fixkosten für die vorhaltung von zusätzlichen produkten anfallen und somit nischen beliefert werden können.
oder sagen wir, das phänomen des long tail ist nur dort positiv, wo neuartige technologien, wie web 2.0 für diverse faktoren verantwortlich sind, die alte ökonomische kalkulationen überholen. dies sind z.b. keine lagerkosten, perfekte vermarktbarkeit/auffindbarkeit von nischenprodukten im netz, der möglichkeit des user involvements bei der suche und vor allem die unglaubliche streuung und somit belieferung von nischenprodukten.
allerdings - ausgehebelt werden ökonomische prinzipien natürlich nicht, daher ist es doch klar, dass unternehmen wie buchhändler mit ihren stars mehr verdienen, die sie direkt vorhalten können als mit
poor dogs, die erst bestellt werden müssen oder gar nicht mehr erhältlich sind.
Kommentiert von: sebastians | 17. April 07 um 04:49 Uhr
übrigens, dein profil ist leer oder der link beschädigt
Kommentiert von: sebastians | 17. April 07 um 04:51 Uhr
Lulu ist ein gutes Beispiel. Die ökonomische Prinzipien sind immer gültig, die technlogische und wirtschaftliche Möglichkeit sind aber anders, wie Du auch schreibst.
In dem Post wollte ich eher die Frage der Größe des Long Tails stellen. Das Long Tail ist da, ist es aber doch so groß wie behauptet? Es gibt recht wenige Studien, die sich grundsätzlich mit dem Thema beschäftigen.
Kommentiert von: Giovanni | 17. April 07 um 05:59 Uhr
ja, ist ein innovatives geschäftsmodell.
grüße aus frankfurt
sebastian
Kommentiert von: sebastians | 17. April 07 um 06:41 Uhr
Es gibt inzwischen einige Firmen, die ganz explizit auf Produkte setzen, die sehr long-tailig sind, also ein ganz spezifisches Interesse weniger potentieller Kunden bedienen. Das Web macht es möglich, dass diese sehr weit vertreuten Interessenten mit dem Angebot zusammenfinden. Ein Beispiel, dem ich kürzlich über den Weg gelaufen bin: http://www.lautständer.de
Dort kann man sich mit einem Online-Konfigurator einen maß- und materialmäßig individuellen Lautsprecherständer zusammenkonfigurieren. Cool: Die generieren sogar eine Vorschau per Raytracer. Das ist nichts für den Massenabsatz, sondern bedient offenbar die Nische von Hifi-Enthusiasten, die keine Lust auf die Massenware aus den Baumärkten haben.
Das würde sich ohne Long-Tail-Effekt nie und nimmer lohnen.
Gruß
Longtailer
Kommentiert von: Babelsguy | 11. Juli 08 um 06:25 Uhr